Der Unterschied zwischen Atemlos und Sprachlos


Unser Gipfeltag begann im Grunde schon am Vortag. Im Rahmen der perfekten Vorbereitung nutzten wir den Ruhetag dazu, die Muskeln durch kleinere Spaziergänge zu entsäuern und uns weiter akribisch auf den großen Moment vorzubereiten.

Dominik, unser Bergführer, besprach den anstehenden Versuch minutiös mit uns, motivierte jeden Einzelnen noch einmal und brachte ihn auf den Punkt.

Er hatte uns während der gemeinsamen Touren ganz genau studiert und gab nun noch persönliche Hinweise zu Ausrüstung, Pausen und Trinkverhalten.



Damit löste er auch eine gewisse Anspannung in uns und den Rest besorgte dann die Wettervorhersage. Für die Gipfel-Erklimmung war Traumwetter vorhergesagt!

So ein Glück!


Viel Zeit für Schlaf blieb aber nicht, um 3 Uhr in der Früh saßen wir beim Frühstück, abmarschbereit. Milchreis, Kekse und Kaffee, dazu eine angespannte Ruhe. Dann hieß es endlich: Abmarsch!



Im Dunkel der Nacht wurden Steigeisen angelegt und wir verluden Gepäck auf den wartenden Pistenbully. Die ersten Höhenmeter durch das zerfurchte Hochlager legten wir schweigend zurück, die Konzentration war mit Händen greifbar und wir erlebten still die ergreifende Faszination des Sonnenaufgangs in großer Höhe. Das Wetter hielt sein Versprechen: es war vollkommen klar.



Den Weg zu den Pastuchov Felsen kannten wir ja bereits gut. Dort angekommen erklommen wir den Berg in einer Reihe laufend.

Zugegeben hatte es eher etwas von Gänsemarsch, flankiert von unseren Guides und auf gut gespurtem Weg erreichten wir nach 2,5 Stunden bereits den Sattel.

Hier machten wir eine Rast, sammelten Kräfte und spornten uns noch einmal gegenseitig an. Es wurde erkennbar, welche Herausforderung vor uns lag. Zwischen den beiden Gipfeln war der Weg klar vor uns gezeichnet und in der Weite des Terrains sah man erste Bergmannschaften beim Aufstieg.



Ab dann zählte vor allem eines: der Wille. Denn der Berg forderte gnadenlos seinen Tribut durch eine 45° Steigung – und das Ende war nicht zu sehen. Vom Briefing wussten wir: nach dem Anstieg kommt das Plateau und von da kann den Gipfel sehen, doch soweit waren wir noch lange nicht.

Unaufhörlich presste der Anstieg den mühsam geatmeten Sauerstoff wieder aus uns heraus und nach wenigen Metern wollten die Beine nicht mehr weiter.

So ging es Stück für Stück die Querung hinauf. Ein erstes Hochgefühl gab es dann am Plateau: da vorne war er: der Gipfel!



Dominik wartete geduldig auf jeden und versorgte uns nach dem anstrengendsten Teil des Aufstiegs mit Cola und Schokolade. Schnelle Energie für die letzten Meter.

Nur noch 100 Meter – das Ziel war Greifen nah. Nur der eigene Körper ermahnte uns, doch lieber langsam weiter zu machen.

Aber es gab kein Halten und 15 Minuten später standen wir alle auf dem Dach Europas! Ergriffen. Aufgewühlt. Einfach sprachlos hatte sich die gesamte Anspannung in einer Mischung aus Tränen und wahnsinnigen Glücksgefühlen entladen.

So lange hatten wir auf diesen Augenblick hingearbeitet, nun konnte man ihn doch gar nicht so richtig fassen.



Mehr geht nicht, höher geht es nirgends in Europa, was für ein Moment!

In diesem Moment dachten wir an zu Hause – an unsere Lieben. Wir richteten unsere Blicke auch Richtung Heimat und in Richtung Bad Grönenbach.

Das war der Moment, an dem wir an alle dachten, die diesen Blog lesen, die unser Projekt unterstützt haben, und an „unsere“ Kinder dort in St. Nikolaus.

Jetzt ist es ist Zeit *DANKE* zu sagen.

Danke für die Spenden, danke für die Berichte, danke für die Aufmunterung, für die Unterstützung und für die Liebe die uns begleitet und getragen hat.


Beim Verlassen des Gipfels haben wir ein Zeichen gesetzt: Andi™s Maskottchen bleibt gut festgebunden zwischen den Fähnchen am Gipfelstein zurück.



Mach es gut da oben – wir gehen wieder nach Hause.


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