Das ist ja der Gipfel

Die Nacht vor dem letzten Aufstieg ist für uns alle unruhig. Nicht nur die Gedanken und die Luft hier auf 6.000m lassen hier wenig Schlaf zu, es ist vor allem der brüllende Sturm der bei -15°C am Zelt rüttelt.







Laut Vorhersage flaut der Wind am frühen Morgen ab und so peilen wir den Aufstieg um 4h in der Früh an.

Das Vorhaben verschieben wir dann noch einmal um eine Stunde aufgrund frischer Wetterdaten. In die Morgendämmerung geht es los, keiner spricht ein Wort, alle sind hochkonzentriert und bis in die Haarspitzen motiviert.





Und jeder hat mit der Höhe zu kämpfen, sucht seinen eigenen Rhythmus. Wie atmen, wie die Schritte setzen, ist das normal wie es sich anfühlt? Als Team sind wir gut eingestellt, auch das macht sich hier bezahlt und bemerkbar. Im MITeinander finden wir immer wieder Kraft und Rückhalt. Ab und an kommt schon mal der Wunsch auf abzubrechen, nicht jeder spricht ihn aus, und am Ende macht ihn auch keiner von uns wahr.



Wenngleich die Verlockung schon groß ist mit einem derer einfach zurück zu gehen, die uns auf dem Weg zum Gipfel entgegenkommen. Sichtlich gezeichnet sind wir ebenfalls, auch hier hilft uns dann oft der Blick auf Liesl oder Loisl, je nachdem welche Kuh am Rucksack des Vordermanns baumelt. Und wir sind perfekt geführt, Dominik hat die Taktik kurzerhand an unsere Tagesform angepasst und motiviert uns bei jeder zusätzlichen Pause persönlich noch einmal. Mehr als ein bisschen Schokoriegel will eh nicht hinein, auch ein Schluck Cola hilft weiter, zumindest als diese wieder aufgetaut ist später am Tag.



Nach 8 nicht enden wollenden Stunden ist es dann soweit, wir erreichen kurz hintereinander den Gipfel. Die ersten Minuten ist jeder für sich in stillem Glück und dem Versuch gefangen, dass alles zu begreifen.


Mit nachlassender Erschöpfung erst vergießen wir stellenweise auch ein paar Gipfeltränen. Geschafft!








Jetzt noch die Bilder und wie am Elbrus binden wir wieder eine Kuh ans Gipfelkreuz, sie möge von hier über die Kinder vom St. Nikolaus wachen.










Ein unfassbarer Ausblick wartet noch auf uns. Das Wetter meint es wieder einmal gut mit unserer Tour und wir haben einen wolkenlosen Blick auf die Andenkette mit ihren 5- und 6000er Gipfeln ringsum.



Top of Africa – Top of Europe – Top of S-America ruft unser Guide und wir liegen uns in den Armen, immer noch unfähig das alles zu begreifen. Mit letzter Kraft geht es zurück ins Camp Cholera, denn auch der Abstieg dorthin hat es in sich mit seinen 1000 Höhenmetern.

Großes Glück hatten wir eh, dass die „Canaleta“ verschneit war, die Geröllrinne auf den letzten 200 Höhenmetern zum Gipfel. Ansonsten ist es recht zermürbend dort, nach 2 Schritten hoch, rutscht man einen wieder runter am fast senkrechten Hang.



Unversehrt gelangen wir letztlich alle wieder zurück in unsere Zelte. Das Feiern verschieben wir besser auf den Folgetag im Basecamp Plaza de Mullas. Heute passt nur noch eine Suppe, keiner von uns kann sich erinnern je etwas anstrengenderes gemacht zu haben. Trotzdem fallen wir mit einem Lächeln in die Schlafsäcke.



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